Klaus Straub ist CIO der Dekade

Ausgezeichnetes IT-Management

Der CIO des Jahrzehnts ist gewählt. Klaus Straub, CIO der Audi AG, ist CIO der Dekade. Er hat sich als CIO im Zeitraum 2001 bis 2011 besonders hervorgetan.

Am 29. September hat das CIO-Magazin im Kameha Grandhotel in Bonn seinen 10. Geburtstag gefeiert.
Eingeladen waren die CIOs der 100 größten Unternehmen Deutschlands, alle bisherigen Gewinner der Auszeichnung „CIO des Jahres“, sowie die wichtigsten Impulsgeber aus Wirtschaft und Wissenschaft, die das CIO-Magazin seit 2001 begleitet haben. Es war die größte Party, die die CIO Community je gefeiert hat.

Audi-CIO Klaus Straub nahm den Preis “CIO der Dekade” im Bonner Grandhotel Kameha entgegen. Foto: Joachim Wendler

Insbesondere für Audi-CIO Klaus Straub war es ein Höhepunkt in seiner CIO-Laufbahn. Er bekam den Preis CIO der Dekade verliehen. Dabei stand er zunächst nicht einmal auf der Pole-Position der Kandidaten-Shortlist. Seine Facebook-Fans haben ihn lediglich in das vordere Mittelfeld gewählt. Von dort aus hat er sich dann aber nach vorne gearbeitet, weil er zunächst einmal ein solider Handwerker ist.

Insgesamt 0,9 Prozent vom Umsatz darf er in seinem Unternehmen für IT ausgeben. Das sind bodenständige Bedingungen, wie sie die meisten CIOs nur zu gut kennen. Denn 0,9 Prozent erfordern ein solides Kostenmanagement. Er war in seiner Branche der erste, der ein integriertes System für Finanzen, Accounting, Controlling und Einkaufsprozessen einführte. Das war ein vierjähriges Projekt ohne viel Glamour, mit dem man nur wenig Ruhm ernten kann, und bei dem zudem der RoI nur schwer nachzurechnen ist.

Er hat es trotzdem durchgehalten, weil er in seinem Unternehmen mittlerweile eine Institution ist. Vierjährige Projekte kann nur ein CIO stemmen, der auch mindestens vier Jahre dabei ist. Sie haben es vielleicht in unserem Artikel gelesen. Der gemeine deutsche CIO ist 4,1 Jahre im Unternehmen. Klaus Straub hingegen ist fast doppelt so lang in seinem Unternehmen.

Dennoch ist Klaus Straub noch nicht einmal 50 Jahre alt. Er hat nach seiner Ingenieursausbildung – übrigens nicht in IT – früh bei einem direkten Konkurrenten seines jetzigen Arbeitgebers angefangen. Er hat dann mehrere Zwischenstationen absolviert, in denen er Verantwortung für Prozessmanagement, Change Management und Applikationsentwicklung bekam. Und er war noch nicht einmal 40, als er seinen ersten CIO-Posten übernahm. Wenn man überhaupt einen Makel an seinem Lebenslauf finden kann, dann höchstens den, dass er noch über wenig Auslandserfahrung verfügt. Internationale Ausrichtung ist denn auch die einzige Kategorie, in der er nicht so viele Punkte eingesammelt hat.

Ganz vorne hat er jedoch in der Kategorie „Strahlkraft in die Gesellschaft“ mitgespielt. Unser Preisträger ist nicht nur bekannt in der CIO Community, sondern auch in seiner Branche sehr gut vernetzt. Er hat sich auch schon als Vorstand für reine IT-Netzwerke eingesetzt, in denen zum Beispiel über ITIL geredet wird. Das sind dann die weniger prestigeträchtigen Jobs, die er aber auch nicht scheut.

Was Klaus Straub als CIO der Dekade wirklich herausragend macht: Er setzt sich für Innovationen in der IT ein. Ab Juni 2012 will er mit seinem neuen Rechenzentrum ein Drittel an Energie sparen. Zuletzt hat er im Jahr 2010 eine Geschichte mit uns über den Einsatz des Apple iPads im Unternehmen gemacht. Darin hat er unaufgeregt über den Einsatz von Tablets in der Qualitätssicherung gesprochen. Also nicht wie ein Apple-Jünger, der alles super findet.

Schon 2006 hat er in einer Titelgeschichte über Innovationsmanagement mitgewirkt. Sein Credo dort war: Der CIO muss die Moderatorenrolle zwischen Fachbereich und IT spielen können, denn nur an dieser Stelle entstehen die Innovationen. 2006 war dann übrigens auch das Jahr, in dem er CIO des Jahres geworden ist.

Doppelsieger: Klaus Straub, CIO der Dekade in der Kategorie "Wertbeitrag der IT". Foto: Joachim Wendler

In der Kategorie „Wertbeitrag der IT“ gibt es mit Daimler CIO Michael Gorriz und Audi-CIO Klaus Straub zwei punktgleiche Preisträger.

Michael Gorriz konnte den Preis nicht persönlich entgegennehmen. Er ist Opfer seines eigenen Erfolgs geworden und musste am Tag der Verleihung vor dem Aufsichtsrat seines Unternehmens im fernen China sprechen. Doch die Tatsache, dass sich der Aufsichtsrat eines der größten deutschen Unternehmen über IT berichten lässt, werten wir als ein gutes Zeichen. Wie Michael Gorriz berichtet, wird dort tatsächlich über den Wertbeitrag der IT gesprochen – und zwar über die Chance, IT enger mit dem eigentlichen Produkt zu verzahnen.

Vor fast genau zwei Jahren anlässlich der Preisverleihung "CIO des Jahres" entstand dieses Foto. Es zeigt die beiden Preisträger: Daimler CIO Michael Gorriz (links) neben Audi-CIO Klaus Straub. Foto: Joachim Wendler

Beide Preisträger kommen aus der gleichen Branche und beide haben Ihre Visionen im CIO-Jahrbuch 2012 beschrieben. Michael Gorriz nennt sie etwas abstrakt: „Seamless Integration und Kontextmanagement“. Damit meint er: Nahtlos integrierte Daten sind unabhängig von Endgerät, Ort oder aktueller Infrastruktur allzeit verfügbar. Informationen werden entsprechend dem Kontext zur Verfügung gestellt. Beispiel: Lieblingsmusik von zu Hause ist über Apps jederzeit auf dem Smartphone abrufbar und steht in einem gemieteten Auto ebenfalls zur Verfügung.

 

Der Gewinner in der Kategorie „Überzeugungsstärke im Unternehmen“ ist Rainer Janßen, CIO der Munich RE.

„Überzeugungsstärke im Unternehmen“, dieses Gewinnerkriterium sollte die Jury unter anderem an folgenden Indikatoren festmachen:

  •   Hat er Rückhalt im Vorstand und im eigenen Team?
  •   Seit wann sitzt der CIO im Unternehmen?
  •   Wie beurteilen IT-Nutzer seine Leistung (gerne belegt anhand vieler „Gefällt-mir-Klicks auf Facebook)

Preisträger Rainer Janßen umgeben von Moderatorin Katrin Müller-Hohenstein und Dietmar Wendt (T-Systems). Foto: Joachim Wendler

Um unseren Preisträger sah es in der Facebook-Vorentscheidung zum „CIO der Dekade“ zunächst gar nicht gut aus. Er ist nur deshalb auf die Shortlist geraten, weil in der CIO-Redaktion ebenso oft positive E-Mails eingegangen sind, wie Facebook-Freunde den „Gefällt-mir-Button“ gedrückt haben.

Facebook hält unser Preisträger übrigens für einen Hype. Und zu IT-Hypes sagt er: „Das ist wie Sex unter Teenagern: Jeder redet darüber, keiner weiß wie es geht, aber jeder ist überzeugt, dass es ganz wunderbar sein wird, wenn man es endlich verstanden hat und tut.“ Für solche kantigen Aussagen ist er bekannt. 2004, als viele andere CIOs sich noch mit der Einführung von ITIL-Prozessen gequält haben, hat er gesagt: „ITIL ist einfach!“

Und vor einem Jahr hat er sich in die Debatte eingemischt, ob es ein Studium zur CIO-Ausbildung geben könne. „Geht nicht. Kann man nicht an der Uni lernen“, hat unser promovierter Preisträger da gesagt. „Man muss mal selber ein Projekt geleitet haben, vielleicht auch mal eines, das schief gegangen ist. Man muss Erfahrung in der Personalführung haben – und im Verhandeln mit Kunden und Lieferanten. Und man muss die politischen Strömungen und Machtinteressen in großen Firmenorganisationen lesen können.“

Rainer Janßen kann das alles sehr gut. Andernfalls hätte er in seinem Unternehmen nie so Dinge wie SOA implementieren können. Er würde nicht direkt an den Vorstand berichten. Und er hätte sich vor allem nicht seit 14 Jahren im gleichen Unternehmen halten können.

In der Kategorie „Internationale Ausrichtung“ gibt es mit Patrick Naef, CIO von Emirates, und Guus Dekkers, CIO bei EADS, zwei punktgleiche Preisträger.

In der Kategorie "Internationale Ausrichtung" gibt es mit Guus Dekkers, CIO bei EADS (links) und Patrick Naef, CIO von Emirates, zwei punktgleiche Preisträger. Foto: Joachim Wendler

Dass Naef und Dekkers zur Preisverleihung kommen konnten, ist keine Selbstverständlichkeit. Zusammen hatten beide fünf Flugstunden Anreise hinter sich. Andere Preisträger hätte das vielleicht abgeschreckt, aber natürlich nicht unsere Gewinner in der Kategorie „Internationale Ausrichtung“.

Fliegen gehört für beide zum Geschäft. Für Guus Dekkers besonders: Sein Arbeitgeber EADS produziert in mehreren Ländern. Um alle Mitarbeiter regelmäßig zu besuchen, verbringt er viel Zeit im Flugzeug.

Patrick Naef hat zwar den Vorteil, dass seine 2.000 Mitarbeiter alle in einem Land sitzen. Allerdings kommt außer dem Chef fast niemand aus diesem Land. Der CIO auch nicht. Die Führungsriege ist ziemlich britisch und die Mehrheit der Mitarbeiter Inder.

Das Führen der internationalen Teams ist in beiden Fällen nicht einfach. Beide CIOs haben in einer enormen Wachstumsphase die Fäden zusammen zu halten. Beide müssen Standards für komplexe Themen etablieren, wo vorher viele kluge Köpfe, viele verschiedene Lösungen entwickelt hatten.

Die Versuchung liegt da nahe, zentralistisch von oben durch zu regieren. Der ein oder andere CIO könnte da der unrühmlichen Idee verfallen, am deutschen Wesen solle die Welt genesen. Unseren beiden Preisträgern kommt dieser Gedanke zum Glück überhaupt nicht – vielleicht, weil beide überhaupt nicht aus Deutschland kommen.

Beide hatten zwar jeweils zwei Mal CIO-Verantwortung in deutschsprachigen Unternehmen. Aber Guus Dekkers ist Holländer und lebt in Frankreich. Patrick Naef hingegen ist Schweizer und lebt in Dubai. Dekkers baut jede Menge Flugzeuge. Naef nimmt jeden Monat zwei neue in die Flotte auf.

Der Gewinner in der Kategorie „Strahlkraft in die Gesellschaft“ ist Lufthansa-CIO Thomas Endres.

Der Gewinner in der Kategorie "Strahlkraft in die Gesellschaft" ist Lufthansa-CIO Thomas Endres (links) neben Johannes Pruchnow (Telefónica). Foto: Joachim Wendler

„Wenn Angela Merkel wissen will, wie es um die IT in Deutschland bestellt ist, dann ruft sie bei SAP an.“ So hat ein CIO-Elefant das Problem umschrieben, das alle CIOs belastet. Ansprechpartner für IT-Politik sind einzelne Anbieter oder bestenfalls der Bitkom. Anwender finden in der deutschen IT-Politik quasi nicht statt – höchstens in der Piratenpartei. Aber von der fühlen sich die über 30-jährigen CIOs auch nicht gut vertreten.

Thomas Endres hat dieses Problem früh erkannt. Bereits 2004 hat er erste Gespräche geführt, eine Interessengemeinschaft für CIOs zu gründen. Möglicherweise auch früher. 2004 ist jedoch mit Sicherheit belegt, denn da gab es die ersten Gespräche zum Thema Netzwerk mit dem CIO-Magazin.

Seit Ende 2002 ist Thomas Endres CIO der Lufthansa (derzeit auf Platz 25 der umsatzstärksten Unternehmen Deutschlands). Die Computerwoche hat ihn in diesem Jahr unter die Top Ten der bedeutendsten Persönlichkeiten in der deutschen IT gewählt (genau: auf Platz 7).

Unser Preisträger hat sich zum Aushängeschild des CIO-Colloquiums entwickelt. Aushängeschilder gibt es dort mehrere. Aber Thomas Endres war der Frontmann der ersten Jahre.

Seine „Strahlkraft in die Gesellschaft“ setzt er im Augenblick dafür ein, dem Dachverband aller CIO-Verbände mehr Einfluss zu geben.

CIO der Dekade: Die Methode

Facebook war bei der Vorauswahl wichtig, aber letztendlich haben die CIO-Elefanten entschieden. Auf dieser Seite erfahren Sie mehr über das aufwändige Verfahren zur Wahl des „CIO der Dekade“.
Bereits im Juni dieses Jahres fand ein CIO-Elefantentreffen im Münchener Café Reitschule statt. Dort hat sich die Redaktion die Absolution für dieses zweistufige Verfahren erteilen lassen. Auch Professor Helmut Krcmar von der TU München hat die Methode abgesegnet.

Stufe eins des Verfahrens begann im Juli. Dazu haben wir diese Website online gestellt. Insgesamt 20 preisverdächtige CIOs schickten wir damals ins Rennen. Diese 20 waren schon einmal auf den vorderen Plätzen beim CIO des Jahres. Sie sollten der Community als Anreiz dienen, weitere Vorschläge zu machen. Das hat sehr gut funktioniert. Im August ist die Liste der Kandidaten auf 50 angewachsen.

Vor zwei Wochen haben wir die Liste geschlossen. Und jetzt kommt Facebook ins Spiel: Diejenigen CIOs mit den meisten „gefällt mir“-Klicks sind vorne auf einer Shortlist für die Jury gelandet. Diese Shortlist hatte wieder nur 20 Kandidaten, um der Jury die Arbeit zu erleichtern. Das waren nicht mehr die 20, mit denen wir einmal angefangen hatten. Einige unserer alten Helden haben es nur auf die Shortlist geschafft, weil sie genauso oft in E-Mails an die Redaktion gelobt wurden wie auf Facebook.

In Stufe zwei des Verfahrens konnten die CIO-Elefanten dann bis zu vier Punkte pro Kandidat vergeben. Jeder CIO-Elefant hätte bis zu 80 Punkte vergeben können (20 x 4). Im Durchschnitt hat aber jeder Elefant nur 22 Punkte vergeben. Jeder dritte Elefant hat sogar weniger als 10 Punkte vergeben.

Jetzt könnte man behaupten, das war Neid. Einige der Elefanten waren ja auch selbst nominiert. Vielleicht wollten die den anderen einfach keine Punkte geben. Die Redaktion ist dieser These noch mal auf den Grund gegangen und kann Ihnen bestätigen: Das stimmt nicht. Es besteht kein Zusammenhang zwischen sparsamer Punktvergabe und Eigenlob. Im Gegenteil: Einige Elefanten haben großzügig Punkte an Konkurrenten vergeben, nur sich selbst ausgelassen.

Richtig ist: Die Elefanten haben insgesamt vorsichtig Punkte vergeben. Sie haben zum Teil erklärt, bei welchen Kandidaten sie keine Punkte geben möchten. Ein paar Beispiele:

  • viel Show, wenig Substanz
  • kenne ich nicht, habe ihn nie wahrgenommen in der Community, woher kommen die Facebook-Fans?
  • zu sehr auf seine Person und seine Karriere fixiert,
  • viel Marketing Bla-Bla,
  • trickst manchmal
  • von Teilen des Management nicht so gut gelitten, sie reklamieren Umsetzungsschwäche und mangelnde Führungsstärke

Das klingt tatsächlich sehr nach Neid. Daher noch ein paar positive Kommentare:

  • einer der besten CIOs, die ich je erlebt habe, mit unglaublicher Kommunikationsstärke
  • kooperativ zu Kollegen, unterstützt gerne mit Rat und Tat
  • Sympathisch, empathisch, beliebt bei seinen 500 Mitarbeitern

Der Hauptgewinner vom CIO der Dekade, Klaus Straub, muss natürlich nicht zwingend Sieger einer Teilkategorie sein. In der Tat hat unser Hauptgewinner es in zwei Disziplinen nur ins obere Mittelfeld geschafft. Er hat aber alles zusammengenommen trotzdem noch mit drei Punkten Vorsprung gewonnen.

Die Jury: Das CIO-Magazin leistet sich den Luxus, besonders wertvolle Informanten ungefähr einmal pro Jahr zur sogenannten „Elefanten-Runde“ einzuladen. 75 Tiere zählt die Herde mittlerweile. Elefanten stammen ausschließlich aus Anwenderunternehmen und erfüllen dort aktiv die CIO-Rolle. Erstmals kamen sie beim fünften Geburtstag der CIO auf dem Obersalzberg bei Berchtesgaden zusammen. Seitdem spielen sie der Redaktion immer wieder Informationen zu oder äußern sich auch schon mal kritisch zur Arbeit der Redaktion.

 

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